Captain Future Kultnacht
Kinopolis Frankfurt a.M., 29. August 2005

Ein Erlebnisbericht von O. Schramm

Ein leicht beklemmendes Gefühl legt sich auf mich als ich das Kinopolis betrete. Eigentlich wollte ich ja in Begleitung hierher, aber leider kam meinem Bekannten was dazwischen, also steh ich nun da und löse am Automat die bereits im Voraus bezahlten Karten ein. Eigentlich sind es ja keine normalen Karten, denn das Kinopolis offeriert für die „Kultnächte“ Eintritt frei aber fünf Euro Mindestverzehr. Nun Gut, ich hole also meine Karten ab, schließlich hab ich sie bezahlt. Ich muss zugeben, ich war ziemlich skeptisch. Sicher, ja, irgendwie klang da noch eine Erinnerung aus Kindertagen nach, aber was hat mich geritten als dreißigjähriger Single Kinokarten für eine Zeichentrickserie zu kaufen? Ich gebe zu, ich hab den Soundtrack zwar zu Hause, und sogar für die Fahrt zum Kino in meinen Wechsler geschoben, aber irgendwie waren die Bilder von damals doch sehr verblasst. Captain Future? Hm, ja klar, irgendwie war da was.
Ok, hol ich mir also noch ne schöne Packung Nachos bevor es losgeht. Ich stelle mich an und schaue interessiert welches Publikum sich wohl ins selbe Kino begibt wie ich. Und siehe da, meine Schätzungen weit gefehlt: Ich war fest davon überzeugt, das Kino wäre entweder nur mager gefüllt oder wenn, dann von Freaks, die zwischen Realität und Futurismus nur eine Popcorn Tüte stecken. Weit gefehlt. Pärchen, Frauen, Männer, einfach alles, was man in einer normalen Kinonacht nicht ohnehin treffen würde. Etwas erleichtert packe ich also meine Nachos und bewege mich ins Kino und bin mehr als überrascht: Es ist voll, nicht jeder Platz besetzt, aber doch voll. Irgendwie bin ich froh, das ich zwei Sitze habe.

Es ist kaum Viertel nach Acht und schon geht das Licht aus und der Soundtrack hämmert über die Lautsprecher! „Ja!“, treibt es mir durchs Hirn und die Erinnerungen kommen wieder. Zwei Mehrteiler werden heute gezeigt: Der Schwarze Planet, in dem Doktor Zaru zusammen mit den Affenmenschen eine Illusion eines riesigen schwarzen Planeten Richtung Erde schickt, um die Regierung des Sonnensystems dazu zu zwingen, ihm die Herrschaft zu übertragen. Und als Mr. Cashews Worte über den Bildschirm klingen lacht die Menge im Kino auf, und fast schon emotionell ertönt Beifall: „Wir müssen Captain Future kontaktieren!“. Es ist fast schon eine rührende Szenerie als Captain Future auf dem Mars dann auf Joan Landor trifft. Wenn mir eines noch in Erinnerung war, dann die Beziehung der beiden, die sie nie hatten. Das Kino schwingt fast mit, als Captain Future, der große Beschützer Joan in die Arme nimmt und ihr erklärt das es nichts zu befürchten gibt. Und mit einem Male wird mir bewusst was mich bis heute an dieser Serie gefesselt hat: Es ist dieser Glaube daran, das es jemand gibt, der dich beschützt, auf den du dich verlassen kannst, jemand der einen Ausweg findet, egal was dir auch geschieht. Vielleicht ist man gerade als Kind besonders empfänglich für diese Dinge, doch sie scheinen bis heute einen bleibenden Eindruck hinterlassen zu haben. Nun, wie sollte es auch anders sein, auch diesmal findet Captain Future einen Ausweg und findet am Ende heraus das der große schwarze Planet lediglich eine Täuschung ist.
Was mir gerade während dieser Folge auffällt, das doch einige versteckte suggestive Botschaften in der Serie stecken. Da ist diese Szene, als Captain Future in einer Glasbox gefangen ist und er dem kleinen Yiek via Telepathie mitteilt, das Glas anzuknabbern: „Man muss essen, was auf den Tisch kommt!“. Das schreit ja förmlich nach Suggestion, und das Kino lächelt, lacht, ist einfach grandios amüsiert. Und ich auch. Das Licht geht an, und ich bin schon fast enttäuscht, aber nach einem Blick auf die Uhr ist klar: es geht noch weiter.

Der zweite Mehrteiler ist „Mitgefangen im Universum“. Nun, ich weiß nicht, wer die Folge kennt, aber hier landen die Future-Mannschaft und ein Haufen Verbrecher auf einem kleinen Planeten, der am zerbrechen ist. Sie müssen sich also einen Ausweg suchen – kein Problem für Captain Future. Ich muss schon sagen: MacGyver und das A-Team sind wirklich Nichts gegen Captain Future, der aus ein paar Steinen und Holz ein neues Raumschiff bastelt. Natürlich kämpft er dabei noch gegen einen telepathisch kommunizierenden Kaktus und Würfelwesen. Ach es ist einfach herrlich, sich dem einfach hinzugeben.
Am Schluss muss ich sagen ist es der Applaus der mich wirklich rührt. Ich hätte nie gedacht, das diese Serie mich so bewegt. Aber auf der Rückfahrt vom Kino wird mir wirklich bewusst warum: Captain Future hat geprägt. Der Glaube daran, das es immer einen Weg gibt, sich darauf zu verlassen, das einem das Universum einen Ausweg beschert. Nicht zuletzt auch die Art wie der gute Captain mit Joan umgeht, mit seiner Mannschaft, all das waren sicher Dinge die man als Kind mitgenommen hat, und die einen bis heute begleiten, wenn auch unbewusst. Captain Future ist mehr als nur eine Serie oder ein Roman, er ist Kult, er ist ein Gefühl, etwas, das man in sich tragen kann. Es war ein schöner Abend, sich daran zurückzuerinnern, was man als Kind für voll genommen hat, und das man sich vielleicht hin und wieder darauf besinnen sollte. Wir sehen zuviel schwarz, zuviel Ausweglos. Nehmen wir uns ein Beispiel an Captain Future, der selbst aus Nichts etwas erschafft, und wenn es der Mut in uns ist.

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